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Frankfurt City Triathlon 2015 -olympische Distanz-

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Frankfurt City Triathlon - Das erste Mal olympisch
Von Aufregung, einer unplanmäßigen Pause und einer nicht erwarteten Endzeit beim 150. Wettkampf überhaupt

Bereits im November 2014 machte ich mich an die Wettkampfplanung für 2015. Dabei wurde mir bewusst, dass ein kleines Jubiläum bevorstand. Der 150. von mir absolvierte Wettkampf stand an. Ich nahm mir vor, dafür an einem besonderen Wettkampf zu starten. Nur was sollte es sein. Einen Marathon, wie beim 50. Lauf, wird mein Knie nicht schaffen; ein schöner Stadtlauf wie beim 100. Lauf? Warum nicht. 2015 wollte ich aber auch wieder bei den ein oder anderen Triathlon starten, und so wurde die Idee geboren noch einmal eine olympische Distanz anzugehen. 2011 hatte ich es ja schon einmal probiert, musste da aber aus gesundheitlichen Gründen passen.
Eine passende Veranstaltung war schnell gefunden. Zwei Arbeitskollegen nahmen 2014 beim Frankfurter City Triathlon über die Sprintdistanz teil und schwärmten von der guten Organisation und von der Stimmung an der Laufstrecke in der Frankfurter Innenstadt. Also meldete ich mich direkt am Eröffnungstag der Anmeldung an. Die zwei Kollegen machten es mir nach und meldeten sich ebenfalls für ihre erste olympische Distanz an.
Frohen Mutes machte ich mich gleich an die Vorbereitung und wurde gleich wieder gestoppt. Eine Ende November eingehandelte Erkältung legte mich 8 Wochen flach und verhinderte jedes Training. Erst Ende Januar stieg ich langsam wieder ins Training ein. Zuerst nur Radfahren auf dem Heimtrainer und später auch kurze Strecken Laufen im Freien. Ein richtig ausgewogenes Training von allen drei Disziplinen war erst ab Anfang März wieder drin. Und die nächsten 4 Monate konnte ich auch sehr gut trainieren. Quantität, aber auch die Qualität des Trainings stimmten. Erstmals überhaupt machte ich eine Koppeltraining Radfahren/ Laufen. Und schon beim Möwathlon Mitte Juli merkte ich, dass dies etwas gebracht hat. Der Juli war arbeitsmäßig dann straffer geplant, sodass die ein oder andere Einheit ausfallen musste. Aber vielleicht waren die zusätzlichen Regenerationstage am Ende auch entscheidend gewesen.
Je näher der Wettkampftag kam und je mehr Infoschreiben eingingen, desso größer wurde meine Nervosität. Hatte die Vorbereitung gereicht? Fehlten die Tage, wo ich im letzten Monat nicht trainieren konnte? Wie verkraftet mein Körper, besonders mein rechtes Knie die lange Belastung. Immerhin rechnete ich mit einer Gesamtzeit von 3:15h. Am Tag vor dem Wettkampf war ich ganz durch den Wind. Mehrmals packte ich die Sporttasche ein und wieder aus. Nur aus Angst irgendetwas vergessen zu haben. Bereits am Vorabend des Wettkampfes machte ich mich auf dem Weg nach Frankfurt und übernachtete im Büro.

02. August 2015: Wettkampftag. Noch vor dem Weckerklingeln war ich wach. Da ich nicht am Vorabend eingecheckt hatte, musste ich bis 07:30 Uhr das Rad abgegeben haben. Die Laufschuhe hatte ich bereits am Freitag bei der Startnummernausgabe "eingecheckt", da die Wechselzone 2 sich in der Frankfurter Innenstadt befand, Wechselzone 1 und Schwimmen war am Langener Waldsee. Kurz nach 06:45 Uhr war ich am Waldsee. Zuerst ein kleiner Schock. Mein Fahrrad wurde beim ersten Einchecken nicht zugelassen, da eine Kappe am Lenkeraufsatz fehlte. Zum Glück gab es vor Ort einen mobilen Fahrradservice, welcher das "riesige" Problem schnell löste. Schnell wurde mein Radplatz gefunden und dann konnte ich mich mit der Wechselzone vertraut machen, da ich ja bis zu meinem Start um 09:05 Uhr noch ausreichend Zeit hatte.
Sonniges warmes Wetter war für diesen Sonntag angesagt. Da es in den letzten beiden Woche aber sehr kühl war, hatte sich der See sehr abgekühlt. Hatte er vor einem Monat beim Ironman noch 26°C, so war er am Donnerstag vor dem Wettkampf nur noch 20,4°C warm. Freitag und Samstag war es noch einmal warm geworden, sodass auch der See wärmer wurde. Eine Stunde vor dem 1. Start dann die letzte Messung: 21,9°C. Punktlandung. Neo erlaubt. Ich hatte zwar viel ohne Neo trainiert, die 3,8 Kilometer Moselschwimmen auch ohne Neo bewältigt, dennoch würde ich zu denen gehören, welche vom Neo profitieren würden. Deshalb freute mich mich über diese Entscheidung.
Zuerst starteten die Jedermänner, dann die Elite mit den späteren Siegern Michael Raelert und Natascha Schmitt. Ebenso nahmen die ehemaligen Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan und Thomas Hellriegel, sowie Fußball-Weltmeister Thomas Berthold teil. Danach folgten die Frauen und danach war auch für mich Start, denn ich gehörte zur ersten der drei Männer-Startgruppen.
Nach den Erfahrungen beim Schwimmstart beim Möwathlon stand für mich fest, dass ich ganz hinten starten wollte. Und so ging ich wirklich auf den letzten Drücker in den Startblock. Doch nach dem Startsignal musste ich feststellen, dass noch mehr die Taktik von hinten starten hatten, so dass es auch da zu leichten Gedrängel kam. Ich begann mit kraulen, doch bereits nach der 2. Boje musste ich auf den Bruststil umstellen, da ich irgendwie in den Armen verkrampfte. Und ich musste feststellen, dass ich dabei schneller war. Also blieb ich dabei, immer das Schwimmziel im Auge. Ohne das übliche Zick-Zack-Schwimmen beim Kraulen ging ich nach 32:29 Minuten mit der 434 besten Schwimmzeit an Land. Viel schneller als ich erwartet hatte. Schnell aus dem Neo rausgepellt und weiter zur zweiten Disziplin.


Nach einer endlos langen Wechselzone ging es auf die 45 Kilometer lange Radstrecke. Zuerst ging es vom Langener Waldsee über die Kennedy Allee Richtung Frankfurt. Dort wurden dann zwei Runden über Niederräder Ufer, Schwanheimer Brücke und Mainzer Landstraße gefahren bevor es Richtung Hauptwache zur Wechselzone zwei ging. Die Strecke war bis auf die Fahrten über die Brücken des Main sowie der Bahnanlagen schön flach mit wenig Kurven, sodass sogar jemand wie ich fast durchgängig auf dem Tacho vorne eine 3 stehen hatte. Kurz um, es lief auch auf der Radstrecke. Beim 20-Kilometer-Schild, kurz hinter der Schwanheimer Brücke, ein kurzer Blick auf die Uhr. Knapp 37 Minuten war ich unterwegs und damit etwas schneller als beim Möwathlon. Im Inneren begann ich nun zu rechnen. Wenn ich das Tempo durchgängig halten könnte, dann...
Durch die vielen verschiedenen Startzeiten war auf der Radstrecke immer etwas los. Zum einen waren da die Starter aus den vorangegangenen Startblocks. Zum anderen waren die Starter aus den späteren Startblocks. An die Ersten konnte ich mich immer wieder herankämpfen, an die letzteren versuchte ich kurzfristig mich dran zu hängen wenn sie von hinten angeschossen kamen. Da sah ich dann auch wiedermal, dass mein Fahrrad in die Jahre gekommen ist. Während die anderen Fahrräder schnurten, klapperte meins im Rhythmus meiner Tritte. Aber es fährt und brachte mich dem Ziel näher. Nach 36 Kilometer stand eine Zeit von 1:08 h Fahrzeit auf der Uhr. Ich lag noch gut in der Zeit und das Beste, ich fühlte mich auch noch sehr gut. Nun war ich das zweite Mal auf der Mainzer Landstraße. Aufpassen musste man hier auf die Straßenbahnschienen, welche mehrmals die Radstrecke querten. Interessant fand ich auch den Zustand der Straßen von Frankfurt. Ich bin zwar öfters mit dem Auto darauf unterwegs, aber dass sie in so einem schlechten Zustand sind, überraschte mich doch sehr.
Aber zurück zum Wettkampf. Irgendwann kam ich wieder die Stelle, wo man auf die 2. Radrunde fährt, oder Richtung Wechselzone 2 abbiegt. Was für ein gutes Gefühl von außen zu hören, dass es bis dahin nur noch ein guter Kilometer sein soll. Also noch mal links, dann rechts und dann war sie schon die Wechselzone. Raus aus den Radschuhe und fertig machen zum Laufen. Doch STOP. Jetzt gab es erstmal einen unfreiwillen Halt. Ein Wettkampfrichter stellte sich mir in den Weg und fragte mich ob ich die Wechsellinie nicht gesehen hätte und ob ich wüsste was da zu tun wäre. Ich war irritiert! Was war geschehen? Ich muss mit dem Vorderrad die Wechsellinie überrollt haben und deswegen wurde ich nun angehalten. Nach etwa einer Minute war der etwas einseitige Small-Talk beendet und mit etwas Wut im Bauch betrat ich die nächste ewig lange Wechselzone. Nach 1:24:35 h hatte ich mit der 603 besten Zeit die zweite Disziplin geschafft.
Nun ging es auf die Laufstrecke, welche von der Hauptwache über die Alte Oper, über den Börsenplatz und Zeil ging und zweimal durchlaufen werden musste. Das bedeutete viel Asphalt aber auch Pflastersteine. Ein richtiger Härtetest für mein Knie. Würde es halten? Es war jetzt kurz nach 11:00 Uhr und die Sonne brannte von oben. Zwischen den Häusern von Frankfurt begann sich die Wärme zu sammeln. Es lief gut auf den ersten Metern. Keine schweren Beine vom Radfahren, der Umstieg zum Laufen hat vielleicht auch wegen der unfreiwilligen Pause sehr gut geklappt. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich in etwa 2:05 Stunden unterwegs war. Jetzt ein 5:30 Minuten-Schnitt und ich würde unter 3 Stunden bleiben. Das wäre doch war für die erste olympische Distanz. Nun war es wichtig nicht zu überpacen und den lockeren Schritt den ich gerade lief so lange wie möglich zu halten. Bei Kilometer 1 die Überraschung. Meine Uhr zeigte mir einen Kilometerschnitt von 4:22 Minuten an. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich so schnell unterwegs bin. Doch auch der zweite Kilometer bestätigte die Zeit. 4:18 Minten. Das Kilometerschilder 3 habe ich in der ersten Runde nicht gesehen, das des vierten Kilometers in beiden Runden nicht. So hatte ich erst bei Kilometer 5 wieder eine Zwischenzeit. Für die letzten 3 Kilometer hatte ich 13:46 Minuten benötigt. Dann ging es auf die zweite Runde. Immer noch fühlte ich mich gut und ich konnte mein Tempo halten. Verantwortlich dafür war wieder die Tatsache, dass ständig Läufer auf der Strecke waren, zu denen man auflaufen konnte oder an die man sich mal kurzzeitig dran hängte. Und so war nach 4:23 Minuten der 6. Kilometer geschafft. Für Kilometer 7 brauchte ich 4:24 Minuten und für Kilometer 8 wahnsinnige 4:06 Minuten. Innerlich musste ich mich jetzt bremsen. Ich lief an vielen Läufern/Innen vorbei, welche nur noch gehen konnten. Damit mir das nicht auch noch passiert, gab ich mir innerlich selbst den Befehl nicht zu früh das Tempo zu steigern, sondern erst wenn ich auf dem Rückweg auf der Zeil bin. Und da ich mich daran hielt und nicht ins Jagdfieber verfiel, konnte ich die Kilometer 9 und 10 zusammen in 9:25 Minuten zurücklegen. Ich hatte damit eine Gesamtzeit von 44:57!!! Minuten auf den 10 Kilometern. Das war damit meine schnellste 10-Kilometerzeit seit 2005, wo meine Knieprobleme begannen. Und das nach 1,5 Kilometer Schwimmen und 45 Kilometer Radfahren. Die 44:57 Minuten waren übrigens die 196 beste Laufzeit an diesem Tag.
Insgesamt war ich 2:49:11 h unterwegs und damit deutlich schneller als erhofft. Natürlich hatte ich im geheimen mit einer Zeit unter 3 Stunden geliebäugelt, dass es am Ende aber so deutlich unter 3 Stunden war, hatte ich auch in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.
Mit dieser Zeit wurde ich 375. in der Gesamtwertung Einzel männlich. Insgesamt gab es hier 780 Finisher.
In meiner Altersklasse M40 war ich als 49. von 98 Finisher.
40 Frauen (von 215) und 9 Staffeln (von 23) waren schneller als ich.
Meine beiden Kollegen kamen übrigens mit 2:44:42 h und 3:25:56 h ins Ziel.

Kleine Anektdote am Rande: Am Ende der ersten Laufrunde erblickte ich einen Streckenposten, welcher die Läufer entweder auf die zweite Runde oder ins Ziel schickte. Dieser Streckenposten, Hubertus Kraus - Vorsitzender des Triathlonvereins Frankfurt Nied- , war mir vom Nordseelauf 2005 bekannt. Ich hoffte, dass er am Ende der zweiten Runde immer noch da stehen würde, was er auch tat. Also bin ich da direkt auf ihn zugelaufen und rief schon von weiten "Hey Hubertus du alter Nordseelaufer". Man sah ihn an das er verwirrt war, dennoch schlug er mich ab. Erst als ich an ihm vorbei war, erinnerte es sich an mich und rief mir einen Erkennungsgruß hinterher. Da sieht man wieder wie klein doch die Welt und die Läufergemeinschaft ist.

Ob ich nochmal olymisch mache: Ich weiß es noch nicht. Es war toll und ich hatte auch in den Folgetagen keine Probleme. Aber der Trainingsaufwand und der Aufwand dieses Wochenendes für insgesamt 3 Stunden waren doch enorm.


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